Humans of Pforzheim

Wir bespielen aktiv die Brücke – auch metaphorisch. Weite, offene Ballonketten schweben über den Fluss und stehen symbolisch für die Bürger Pforzheims. Die Geschichten, Ängste aber auch die Freude und Hoffnung einzelner Bürger werden auf der Brücke durch „Humans of Pforzheim“-Plakate transportiert. Hier sind in Pforzheim lebende Menschen abgebildet, die ihre Geschichte oder ihre Gedanken mit der Stadt teilen. So geben wir Pforzheim ein Gesicht, schaffen Transparenz für die Vielfalt und einen Zugang zu den Menschen. Vielleicht entstehen auch Momente der Identifikation mit der jeweiligen Situation, wodurch das Gemeinschaftsgefühl gestärkt wird. Die Zitate entstanden „auf der Straße“, indem wir aktiv mit den Leuten in den Dialog traten.

Ann-Kathrin

Wir haben uns über gemeinsame Freunde kennengelernt. Wir treffen uns oft hier am Fluss und können über alles reden. Ich denke zurzeit viel über das Leben als Ganzes nach. Was will ich von meinem Leben? Was sind meine persönlichen Ziele? Was möchte ich erreichen? Was treibt mich morgens aus dem Bett? Ich darf nicht zu lange darüber nachdenken, das macht verrückt. Zum Glück bin ich mit meinen Gedanken nicht allein.


Meral

Meine Schwester und ich halten immer zusammen. Wir wollen ganz oft die gleichen Klamotten anziehen – am liebsten in pink. Das ist unsere Lieblingsfarbe, weil das die Prinzessinnen auch immer tragen. Wir haben auch das gleiche Lieblingseis: Cookie-Eis. Ich bin froh, dass ich eine Schwester habe, mit der ich spielen kann.


Cservenak

Im Februar sind wir zusammen mit unserer Tochter hierhergekommen. Wir sprechen kaum deutsch, aber unsere Tochter hat die Sprache schnell gelernt. Wir üben sehr viel, trotzdem ist es für uns nicht so leicht. Zum Glück habe ich ohne Umwege einen Job gefunden und kann uns damit das Leben finanzieren – auch wenn es nicht viel ist. Aber ich möchte alles für die Zukunft unserer kleinen Tochter geben. Wer wünscht sich nicht das größte Glück für seine Kinder?


Deborah

Ich bin nur für die eineinhalb Jahre des Masterstudiums hier in Pforzheim. Ein Studienjahr ist schon fast vorbei. In dieser Zeit sind unheimlich viele Einflüsse auf mich eingesprudelt und ich habe gelernt, mich schnell und agil in jede neue Situation einzufinden. Dabei bin ich aus Zeitgründen oft nur in einer Spurrille, zwischen Hochschule und meiner Wohnung in Brötzingen unterwegs gewesen. Aber schon dieser eine Weg an der Enz entlang hat meinen Blick geöffnet, die Vielfalt zu erkennen, die um mich herum sonst noch existiert.


Kim

Ich möchte später gerne Modedesign studieren. Das war schon immer mein Ding. Bis dahin ist es aber noch ein langer Weg. Erstmal muss ich jetzt meinen Realschulabschluss machen. Und das auch noch ziemlich gut, damit ich dann noch Abitur machen kann, um hier studieren zu können. Das wäre wirklich mein Traum, wenn alles so nach Plan laufen würde. Außerdem ist es mir sehr wichtig, mit meinen Freunden Zeit zu verbringen. Das sind Momente, in denen es mir einfach gut geht und ich glücklich bin.


Dinesh

Ich pendele seit drei Jahren zwischen Deutschland und Indien. Dort bin ich Reiseleiter. Ich mag meinen Job, so habe ich auch meine Frau kennengelernt. Sie ist Lehrerin. Gerade bin ich wieder für vier Monate hier und genieße den Sommer mit meiner Familie. Am Anfang ist es immer etwas schwierig, sich wieder an die Mentalität, die Kultur und das Essen hier zu gewöhnen. Außer Brot, das schmeckt mir immer! Am Ende will ich gar nicht wieder weg. Was bei uns für Harmonie sorgt? Immer gut zuhören und das Beste beider Kulturen zelebrieren – wie zum Beispiel gutes Brot.


Farina

Ja, es gibt diese Tage, an denen mich kleine und mittelgroße Katastrophen in den Wahnsinn treiben und mir die Sieben-Tage-Woche zu viel wird. Zum Glück gibt es viel öfter Tage, an denen ich mein kleines Café einfach liebe. Es sind die kleinen Momente, die mich unglaublich glücklich machen. Die Konsistenz von Lemon Curd, ein perfekter Cappuccino oder der pappsatte Gast, der einem Kuchen zum Nachtisch trotzdem nicht widerstehen kann. Wenn man die Augen bewusst offenhält, kann man Momente, in denen es mal nicht gut läuft, viel einfacher durchstehen.


Issifou

Mein Großvater hat mir erzählt: »Den Deutschen kannst du vertrauen, sie sind gut«. Ich habe mir gerade diesen Hut gekauft, um heute Abend die deutsche Nationalmannschaft bei der WM anzufeuern. Ich bin hier alleine. Mein Vater ist schon gestorben und meine Mutter lebt in Togo, aber zu ihr habe ich kaum noch Kontakt. Deutsch lernen finde ich sehr schwer. Aber ich will die Sprache be- herrschen. Dann will ich den Führerschein machen und später wieder als LKW-Fahrer arbeiten.


Jemima

Ursprünglich habe ich mich für das Studium in Pforzheim nur als Notlösung beworben. Nachdem ich aber angenommen wurde und gesehen habe, dass die Hochschule einen wirklich guten Ruf und ein top Studienangebot hat, habe ich mich dafür entschieden hier zu studieren. Ich habe in Pforzheim zu mir selbst gefunden, habe meinen Freund und tolle Freunde kennengelernt – mit einer davon wohne ich schon seit dem ersten Bachelorsemester zusammen und mittlerweile studiere ich meinen Master. Ich fühle mich hier einfach unglaublich wohl.


José

Vor drei Wochen bin ich endlich hier angekommen, um mir zusammen mit meiner Freundin ein Leben auf- zubauen. Gerade besuche ich jeden Tag die Sprachschule und mache schon viele Fortschritte. In Mexiko habe ich für VW gearbeitet. Dort hatte ich schon ein wenig Deutschunterricht. Deshalb fällt mir das Deutschlernen nicht ganz so schwer. Ich würde hier sehr gerne wieder in der Automobilbranche arbeiten.


Marta

Ich habe mich damals entschieden für einen einjährigen Master nach Pforzheim zu ziehen. Dafür habe ich meinen Job aufgegeben und bin knapp 370 km von meinem Freund und meiner Familie weggezogen. Wirklich in Pforzheim anzukommen fiel mir anfangs schwer, aber mit den richtigen Leuten kann jeder Ort ein Zuhause sein. Inzwischen ist das Jahr fast vorbei und ich packe bald schon wieder meine Koffer. Obwohl ich mich freue, in die Heimat zurückzukehren, sind mir die Menschen hier sehr ans Herz gewachsen und ich weiß, ich werde sie vermissen.


Minh Tam

Mich faszinieren die unzähligen Möglichkeiten und die Dynamik, die Metropolen ausstrahlen. So viel mehr scheint in Großstädten möglich zu sein. Was ich aber an Pforzheim zu schätzen gelernt habe, ist dass man sich hier nicht nur flüchtig kennenlernt. Hat man ähnliche Interessen, läuft man sich wohl oder übel öfter mal über den Weg. Und wenn man merkt, dass in Pforzheim doch mehr geht als gedacht und der Zusammenhalt stimmt, dann ist Pforzheim viel mehr als nur mein Studienort.


Murad

Ich komme aus dem Irak und habe mir hier meinen eigenen Laden aufgebaut. Das war unglaublich viel Arbeit. Im Moment bin ich ziemlich zufrieden. Meine ganze Familie ist hier und unterstützt mich. Außerdem macht mein Sohn mich sehr stolz. Ich hoffe, dass er einen guten Schulabschluss macht und vielleicht sogar Doktor wird. Welchen Beruf er sich wünscht? Aktuell wohl lieber Fußballstar.


Ömer

Meine größte Herausforderung ist es gerade, alle Projekte, in denen ich involviert bin, unter einen Hut zu bekommen. Ich will natürlich jeder Sache gerecht werden und gute Arbeit leisten. Viel Energie stecke ich ins Café Roland, das sich zu einem tollen Ort der Begegnungen entwickelt hat. Hier trifft man auf viele aufgeschlossene und sympathische Menschen. Es ist mir wichtig, das Gemeinschaftsgefühl in Pforzheim zu stärken. Ich finde es erfüllend, Menschen zusammenzubringen und das Potenzial der Stadt für alle greifbar zu machen.


Rolf

Schon seit meinem 50. Geburtstag bin ich in Rente. Ich habe dafür in den Jahren davor sehr hart gearbeitet. Seit meinem Ruhestand pendele ich mit meiner Frau, die gebürtige Spanierin ist, zwischen unserem Ferienhaus in Alicante und Pforzheim. Wenn wir den Krebs überwunden haben, geht es für uns wieder nach Spanien. Unser Hund gibt uns in dieser Zeit viel Kraft.


Slavko

Schon seit ich klein bin, möchte ich ein Polizist werden. Mir gefällt der Gedanke, für Ruhe und Ordnung zu sorgen und den Menschen Sicherheit zu geben. Zurzeit stehen wieder Prüfungen an und ich muss dafür pauken. Aber um mir meinen Traum zu erfüllen, weiß ich, dass ich einen guten Abschluss brauche – das ist meine Motivation. Jetzt geht es erstmal zum WM-Schauen. Kroatien, das Land, aus dem meine Eltern kommen, spielt heute Abend.


Theo

Ich bin in Brasilien geboren und kam mit sechs Jahren nach Deutschland. Mein Studium in Modedesign habe ich abgeschlossen und jetzt muss ich mich neu sortieren. Momentan arbeite ich in einer Integrationsschule. Die soziale Komponente hierbei finde ich sehr erfüllend. Das Studium war für mich eine wichtige Selbstfindungsphase. Die geschlossenen Freundschaften haben meine Persönlichkeit und meine Lebenseinstellung entscheidend geprägt. Es ist schön zu sehen, wie sich in den letzten Jahren eine coole Community entwickelt hat, die das Leben in Pforzheim mitgestalten will.


Victor

Ich komme ursprünglich aus Peru und war dort an einer deutschen Schule. Pforzheim ist für mich gerade ein toller Zwischenstopp. Mir gefällt besonders die Beschaulichkeit und die entspannte Atmosphäre hier. Alle sind total interessiert und offen, da ist es einfach Anschluss zu finden und neue Leute kennenzulernen. Ich bin froh gute Freunde gefunden zu haben, sie sind sozusagen eine kleine Ersatzfamilie für mich geworden.


Cina

An Pforzheim gefällt mir, dass es hier genug Freiraum gibt, um sich zu entfalten. Ich habe eine Weile gebraucht, um mit der Stadt warmzuwerden, aber jetzt möchte ich Pforzheim nicht mehr missen. Mittlerweile habe ich ein einfaches Lebensrezept gefunden: Wenn man unzufrieden ist, muss man anfangen, sein Umfeld mitzugestalten und sich seine Räume selbst erschaffen – und das geht sehr viel einfacher in Pforzheim als an anderen Orten.


Diego und Sam

Ich komme aus Taiwan und bin seit Februar Austauschstudent in Pforzheim. Meinen ersten Tag hier habe ich noch ganz gut in Erinnerung. Ich kam an einem verschneiten Sonntag an und wusste nicht, dass in Deutschland sonntags kein Supermarkt geöffnet. Das war auch der erste Tag, an dem ich meinen ersten Döner gegessen habe. Sam kommt auch aus Taiwan und besucht mich hier, um sich die Stadt und die Hochschule anzuschauen. Er hat vor, sich später mal für den Studiengang Transportation Design zu bewerben.


Lily

Zurzeit muss ich so viele – vermeintlich lebensweisende Entscheidungen treffen, wohin meine Reise gehen soll. Dabei versuche ich irgendwie allen Anforderungen gerecht zu werden, inklusive meinen. Das stresst. Deshalb probiere ich zu entschleunigen, dem Effizienzwahn den Rücken zu kehren und zu lernen, bewusst auf meinen Bauch und meine Intuition zu hören. Am Ende des Tages geht es doch irgendwie darum, einen schönen, bereichernden Tag gehabt zu haben, der mich mit Momenten und Erfahrungen immer ein bisschen weiter befüllt.